GESICHT ZEIGEN

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In Deutschland gibt es keine Burka-Trägerin. So das Recherche-Ergebnis von Fabian Köhler auf bento. Dennoch gibt es eine Diskussion um die Burka. Und eine menge rassistischer Äußerungen im Internet.

Es gibt Tage, da möchte ich nicht ins Internet. Ich möchte keine Kommentare, keine Nachrichten und keine Tweets lesen. Denn das Internet ist voll mit rassistischer Scheiße. Nicht, dass es an anderen Tagen nicht anderes wäre. Aber an bestimmten Tagen ist es besonderes schlimm.

So die vergangene Woche.

Deutschland will keine Burka sehen. Gesicht zeigen, in die Augen schauen – das seien deutsche Werte. De Maizière sagte im ZDF, die Burka passe nicht in unsere Gesellschaft. Denn Burka-Trägerinnen gefährden scheinbar das, auf was wir stolz sind: Weltoffenheit.

Ich liebe Doppelmoral. Wirklich. Denn sonst würde mein Blog keinen Sinn machen. Deswegen hier kurz eine Erklärung. Weltoffenheit bedeutet eine Aufgeschlossenheit gegenüber anderen Kulturen. Auch gegenüber Fremden. Weltoffenheit bedeutet allerdings nicht, die eigenen Werte anderen aufzuzwingen oder Fremdes zu verbieten. Offen sein für andere Kulturen – das haben wir in Deutschland noch nicht richtig verstanden.

Offen sein für rassistische Scheiße – das sind wir in Deutschland schon. Denn wenn wir ehrlich sind, ist die Debatte rund um die Burka unnötige Angstmacherei und eine weitere Plattform für Rassismus.

Wieder steht ein Stück Stoff im Mittelpunkt. Wieder ist es die muslimische Frau. Ich bin es gewohnt, dass das Kopftuch immer wieder diskutiert wird. Immerhin sieht man das Kopftuch im täglichen Leben. Aber die Burka? Viele meiner muslimischen Freundinnen bedecken ihre Haare – keine mit einer Burka. Soweit ich die Nachrichten verfolgen konnte, hat sich bis jetzt auch keine Burka-Trägerin zu der Debatte geäußert. Vielleicht liegt das tatsächlich daran, dass es keine Burka-Trägerin in Deutschland gibt?!

Wieso also wird über etwas diskutiert, was nicht da ist?

Die muslimische Frau wird in den Augen vieler Deutscher von muslimischen Männern unterdrückt. Letztlich stimmt diese Aussage auch teilweise. Denn von Männern wird die Debatte meist geführt.

Dabei denkt keiner daran, dass sie es vielleicht freiwillig tun? Aus welchen Gründen auch immer. Für viele ist das vielleicht ein Schock: Aber es gibt tatsächlich muslimische Frauen, die selber nachdenken können.

Deswegen gilt: Keiner muss sich die Mühe machen und für die muslimische Frau nachdenken. Keiner muss sich extra Umstände machen und hasserfüllte Kommentare schreiben, um die arme muslimische Frau zu retten.

Krass oder?

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