„Moscheen sind Ruheorte“

IMG_1611Unionsfraktionschef Volker Kauder fordert die staatliche Überwachung von Moscheen. „Wir müssen darüber reden, dass in einigen Moscheen Predigten gehalten werden, die mit unserem Staatsverständnis nicht in Einklang stehen“, sagte er der Berliner Zeitung im Interview. Deswegen sei der Staat gefordert die Moscheen zu kontrollieren, da der Staat über der Religion stehe.

Moscheen sind für Muslime rituelle Orte, an denen sie gemeinsam beten, zusammen kommen, Religionsunterricht anbieten oder auch jeden Freitag eine Freitags-Predigt anhören können. Insgesamt gibt es etwa 2500 islamische Einrichtungen in Deutschland. Nicht jede Moschee ist sofort sichtbar, oft handelt es sich auch um Hinterhofmoscheen.

Der Islamkundelehrer, Mustafa Tütüneken, ist im Vorstand des DITIB Regionalverbands Essen und in der Moscheegemeinde aktiv. Er findet, dass die Moscheen nicht überwacht werden sollten, wenn es keine konkrete Gefahr oder Beschwerde gibt: „Diese Stätte sind letztendlich Ruheorte. Man braucht dort eine gewisse Ruhe zum Abschalten für die Konzentration im Gebet.“

Tütüneken hat in Ankara Islamische Theologie studiert und in Bonn Religions- und Islamwissenschaften. Beobachtungen auf alle Moscheen sei eine Pauschalisierung und das hindere gut integrierte Moscheen daran, mit Kirchen, Schulen oder Behörden zu kooperieren, sagt er. Außerdem könne die Forderung Kauders zu Misstrauen führen und alle Moscheen unter Generalverdacht stellen. „Die Ruhe wird zerstört. Aber auch tatsächlich gefährliche Prediger können vorsichtiger werden und sich dadurch besser verstecken“, sagt er.

Kauders Forderung hingegen ist nicht neu. Nach Angaben des Bundesamtes für Verfassungsschutz werden in Deutschland rund 90 Moscheen überwacht. Um unter geheimdienstlicher Beobachtung zu stehen, muss ein Iman keine Radikalisierung oder Terror predigen. Auslöser für eine Überwachung kann zum Beispiel sein, wenn Gemeindemitglieder nach Syrien ausreisen oder sich im Internet auffällig Hassprediger anhören.

Deswegen fordert Kauder, dass Moscheen Verantwortung übernehmen müssen, um Terror und Extremismus entgegenzuwirken: „So wie wir als Deutsche eine Verantwortung dafür tragen, dass es nie wieder zu Faschismus kommt, so wie wir neonazistischen Tendenzen entgegentreten müssen, so sind die Muslime in der Pflicht, Radikalisierungen und Terror entschieden entgegenzutreten.“

Gegenwind gibt es von der rechtsextremen und verfassungsfeindlichen Bürgerbewegung pro NRW. Auf Nachfrage hin, schreibt Thorsten Crämer, Landesgeschäftsführer, dass vor allem die Regierungsparteien Verantwortung tragen: „Ohne die von denselben betriebene, beförderte oder auch nur fahrlässig zugelassene Masseneinwanderung aus Ländern des islamischen Kulturkreises gäbe es in Deutschland weder das Problem des Islams und seiner stetig dreister werdenden Forderungen an die deutsche Gesellschaft, noch die Möglichkeit, hier „staatsgefährdend“ oder gar terroristisch tätig zu werden.“.

Crämer glaubt, dass eine „dauernde Sicherheit“ nur dadurch erreicht werden könne, wenn es zu „einer grundlegenden Korrektur der verhängnisvollen Einwanderungspolitik kommt.“

Kauders Forderung bietet Stoff für rechtsextreme und „besorgte Bürger“. Dabei können viele Moscheen ein Paradebeispiel für gelungene Integration sein. Einige Moscheen bieten neben Freitags-Predigten auch Moscheeführungen an oder beinhalten Bibliotheken. Neben Nähkursen für Frauen, gemeinsame Ramadan-Feste oder rituelle Gebete, kooperieren Moscheen oft mit Kirchen oder Behörden.

Durch die Religionsfreiheit, die durch das Grundgesetz gesichert ist, gehören Moscheen zur religiösen Vielfalt und sind für viele Muslime ein wichtiger Ruheort.

Dieser Artikel ist zuerst auf Buerpott erschienen.

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