„Wir bauen eine Mauer und trennen Deutschland!“

„Ausländer raus“ sagt er und stört sich dabei gar nicht, dass ich ihn aufnehme. Wieso auch?! Für ihn bin ich scheinbar kein Ausländer. Yay. Er hat es begriffen.

Er ist einer von vielen Passanten an einem Dienstagmittag in der Gelsenkirchener Innenstand. Mein Team steht schon seit einigen Stunden auf der Straße und fragt Passanten, was sie von einer Mauer halten – ich filme das Ganze. Zumindest von unserer Mauer. Denn wir haben eine aufgebaut. Aus Kartons.

Zum Hintergrund:

Wie fast jedes Semester gab es letzte Woche die Projektwoche für alle Studenten des Studienganges Journalismus und Public Relations in Gelsenkirchen. Dabei sind alle Semester zusammen gekommen und haben in Kleingruppen eine Aufgabe erarbeitet. Dieses Jahr das Thema: „Das neue WIR – wer ist deutsch und was ist deutsch?“. Aufgabe: Film drehen. Unser Team entschied sich für eine Mauer. Eine Mauer, die Menschen trennt. Wer den deutschen Durchschnittswerten entspricht, darf auf die deutsche Seite. Wer nicht, ist „der Rest“ und muss auf die andere Seite.

Bei der Befragung wollten alle deutsch sein. Doch wir fanden keinen Thomas Müller. Auch keine Sabine Müller. Pech gehabt. Alle Befragten mussten zum „Rest.“

Seht euch unser Gewinnervideo an:

Und jetzt verrate ich euch ein kleines Geheimnis: Auch ich bin keine Sabine Müller. Stört mich das?  Nö – Ich will es gar nicht sein. Ich muss keinen deutschen Namen tragen, um deutsch zu sein. Ich bin es einfach. Dennoch kotzt mich die ewige Diskussion über deutsch oder nicht deutsch an. Was ist denn nun deutsch und was nicht?! Wer ist Bio-Deutsch, wer ist Deutscher mit Migrationshintergrund, wer ist deutscher Jude, Moslem und wer ist einfach nur Deutsch? Es wurden schon viele Filme zu dem Thema gedreht, Diskussionen geführt, Diskurse gestartet und Bücher verfasst. Aber hat all dies etwas bei mir verändert? Bin ich jetzt deutscher als gestern? Bin ich deutscher als mein Vater, weil ich einen deutschen Pass habe und er nicht?

Was ist Deutsch? – Kann mir endlich jemand diese Frage beantworten?

Ach wisst ihr was, ich will die utopische Antwort gar nicht hören. Wieso? Naja ganz einfach: Weil jeder Deutsch-sein anders definiert. Und das ist auch gut so! Für mich ist das Deutsch-sein ein Gefühl. Eine Mischung aus Heimat, Verbundenheit und Sicherheit. Deutschland ist schon lange bunt und vielfältig. In den Worten von Joachim Gauck: „Wir sollten nicht länger von „wir“ und „denen“sprechen. Es gibt ein neues deutsches „Wir“, das ist die Einheit der Verschiedenen.“

Verschieden. Das trifft es gut. In Deutschland leben unterschiedliche Menschen. Ist das ein Problem? Nope. 

Das Problem liegt eher bei dem selbsternannten Volk, den Internet-Rassisten und natürlich an den altbekannten Nazis. Sie zerstören die Einheit, weil sie Mauern in ihren Köpfen haben und Deutschland trennen wollen. In was eigentlich? Das Pack vs. Das Volk? Bio-Deutsch vs. Ausländer? Intolerant vs. Tolerant?

Ernsthaft Deutschland, was stimmt nicht mit dir?

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