Die wertvollsten Worte für eine Frau

Ein Statement zum internationalen Frauentag

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass mein Vater mir als junges Mädchen immer sagte: „Sag deine Meinung. Lass dich von niemandem einschüchtern.“. Lange Zeit habe ich dem keine wichtige Bedeutung zugeschrieben. Heute weiß ich: Diese Worte sind das wertvollste, was mein Vater mir geben konnte.

Der internationale Frauentag ist deswegen für mich vor allem eins: Stimme erheben und jungen Mädchen zeigen, wie wichtig es ist, sich für die eigenen Rechte einzusetzen. Bis zur Gleichberechtigung der Frau ist es nämlich noch ein langer Weg.

Als ich etwas jünger war – sagen wir mal, vor zehn Jahren – war ich einer der Schülerinnen in der Klasse, die ständig am Quatschen waren. Während ich mit meinen Freundinnen rumalberte, sagte ein Mitschüler mal zu mir: „Du trägst ein Kopftuch und benimmst dich gar nicht dementsprechend.“ Damals ging mir das sehr nah. Ich habe mich gefragt: Wie benimmt sich denn ein Mädchen mit Kopftuch? Was habe ich falsch gemacht?

Heute weiß ich: Who cares. Es gibt keine Benimm-Regeln für Frauen – egal mit oder ohne Kopftuch. Es gibt nur eine Regel für Frauen: Sei wie du bist und lass dich nicht unterkriegen. Im Leben einer Frau gibt es ständig irgendwelche Menschen, die einem vorschreiben wollen, wer, wie und was man sein soll. Es gibt tausend vermeintliche Regeln, an die Frau sich halten soll. Es gibt Millionen Sprüche, die Frau sich im Laufe ihres Lebens anhört. Als Frau ist es nicht immer einfach, sich gegen gesellschaftliche Konventionen, familiäre Schranken oder kulturellen Ansichten zu stellen.

Deswegen sollte Frau vor allem auf eins hören: Auf ihr Herz. Alles andere sind Schranken in den Köpfen der Menschen. In diesem Sinne wünsche ich allen Frauen Mut, Stärke und den Glauben an sich selber.

 

womens-march-2001566_1920

GESICHT ZEIGEN

pexels-photo-29288

In Deutschland gibt es keine Burka-Trägerin. So das Recherche-Ergebnis von Fabian Köhler auf bento. Dennoch gibt es eine Diskussion um die Burka. Und eine menge rassistischer Äußerungen im Internet.

Es gibt Tage, da möchte ich nicht ins Internet. Ich möchte keine Kommentare, keine Nachrichten und keine Tweets lesen. Denn das Internet ist voll mit rassistischer Scheiße. Nicht, dass es an anderen Tagen nicht anderes wäre. Aber an bestimmten Tagen ist es besonderes schlimm.

So die vergangene Woche.

Deutschland will keine Burka sehen. Gesicht zeigen, in die Augen schauen – das seien deutsche Werte. De Maizière sagte im ZDF, die Burka passe nicht in unsere Gesellschaft. Denn Burka-Trägerinnen gefährden scheinbar das, auf was wir stolz sind: Weltoffenheit.

Ich liebe Doppelmoral. Wirklich. Denn sonst würde mein Blog keinen Sinn machen. Deswegen hier kurz eine Erklärung. Weltoffenheit bedeutet eine Aufgeschlossenheit gegenüber anderen Kulturen. Auch gegenüber Fremden. Weltoffenheit bedeutet allerdings nicht, die eigenen Werte anderen aufzuzwingen oder Fremdes zu verbieten. Offen sein für andere Kulturen – das haben wir in Deutschland noch nicht richtig verstanden.

Offen sein für rassistische Scheiße – das sind wir in Deutschland schon. Denn wenn wir ehrlich sind, ist die Debatte rund um die Burka unnötige Angstmacherei und eine weitere Plattform für Rassismus.

Wieder steht ein Stück Stoff im Mittelpunkt. Wieder ist es die muslimische Frau. Ich bin es gewohnt, dass das Kopftuch immer wieder diskutiert wird. Immerhin sieht man das Kopftuch im täglichen Leben. Aber die Burka? Viele meiner muslimischen Freundinnen bedecken ihre Haare – keine mit einer Burka. Soweit ich die Nachrichten verfolgen konnte, hat sich bis jetzt auch keine Burka-Trägerin zu der Debatte geäußert. Vielleicht liegt das tatsächlich daran, dass es keine Burka-Trägerin in Deutschland gibt?!

Wieso also wird über etwas diskutiert, was nicht da ist?

Die muslimische Frau wird in den Augen vieler Deutscher von muslimischen Männern unterdrückt. Letztlich stimmt diese Aussage auch teilweise. Denn von Männern wird die Debatte meist geführt.

Dabei denkt keiner daran, dass sie es vielleicht freiwillig tun? Aus welchen Gründen auch immer. Für viele ist das vielleicht ein Schock: Aber es gibt tatsächlich muslimische Frauen, die selber nachdenken können.

Deswegen gilt: Keiner muss sich die Mühe machen und für die muslimische Frau nachdenken. Keiner muss sich extra Umstände machen und hasserfüllte Kommentare schreiben, um die arme muslimische Frau zu retten.

Krass oder?

Es geht um die Demokratie

Die letzte Nacht wird wohl in die Geschichte der Türkei eingehen: Ein Putschversuch gegen Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan. Teile des Militärs erklärten in der Nacht zu Samstag, die Macht im Land übernommen zu haben. Insgesamt starben 265 Menschen, etliche wurden verletzt. Die türkische Regierung erklärte den Putschversuch für gescheitert.

Eine aufregende Nacht. Ich saß im Zug und fuhr von Berlin nach Dortmund, als ich von den Nachrichten hörte. Schnell versuchte ich auf Twitter die unübersichtliche Lage zu verstehen. Zunächst gab es viele Gerüchte, Bilder von toten Soldaten und dann Besetzungen einiger Nachrichtensender. Die Nachrichtensprecherin Tijen Karakaş verkündete im öffentlich-rechtlichen Sender TRT 1, der Putschversuch des Militärs sei gelungen und die türkischen Bürger sollen zuhause bleiben.

Cneb2tJWAAA_LFV.jpg-large

Später wurde klar, dass die Redaktion unter Waffengewalt stand. Die Nachrichtensprecherin verkündete Live, dass den Redakteuren die Hände festgehalten und dass sie bedroht wurden. Das Land scheint im Chaos zu sein. Erdogan forderte vom türkischen Volk, auf die Straße zu gehen und sich gegen die bewaffneten Soldaten zustellen.

Die Menschen gehen auf die Straße. Versuchen gegen Teile des Militärs anzukämpfen. Doch selbst Menschen, die gegen Erdogan sind, demonstrieren auf der Straße. Gestern Nacht stand das Land kurz davor, eine demokratisch gewählte Regierung undemokratisch abzusetzen. Das Parlament wurde bombardiert.

Man muss kein Erdogan Anhänger sein, um einen Militärputsch zu verurteilen. Die türkische Regierung hat sicherlich nicht immer alles richtig gemacht. Dennoch kann eine demokratisch gewählte Regierung nicht durch Gewalt abgesetzt werden.

Bildschirmfoto 2016-07-16 um 22.27.32

Ich bin stolz auf die demokratischen Werte in Deutschland. Dennoch kann ich die Doppelmoral einiger Menschen nicht verstehen. Sie feiern die Putschisten und fordern dennoch Demokratie. Das passt einfach nicht zusammen. Ein Staat sollte nur demokratisch abgewählt werden. Gewalt ist sicherlich keine Lösung. Erdogan passt nicht in das Weltbild des Westens, aber Gewalt sollte es ebenso nicht.

Die Türkei hat gestern Reife und Zusammenhalt bewiesen. Ich bin dennoch sehr beunruhigt. Auf das Land warten noch einige harte Zeiten.

„Moscheen sind Ruheorte“

IMG_1611Unionsfraktionschef Volker Kauder fordert die staatliche Überwachung von Moscheen. „Wir müssen darüber reden, dass in einigen Moscheen Predigten gehalten werden, die mit unserem Staatsverständnis nicht in Einklang stehen“, sagte er der Berliner Zeitung im Interview. Deswegen sei der Staat gefordert die Moscheen zu kontrollieren, da der Staat über der Religion stehe.

Moscheen sind für Muslime rituelle Orte, an denen sie gemeinsam beten, zusammen kommen, Religionsunterricht anbieten oder auch jeden Freitag eine Freitags-Predigt anhören können. Insgesamt gibt es etwa 2500 islamische Einrichtungen in Deutschland. Nicht jede Moschee ist sofort sichtbar, oft handelt es sich auch um Hinterhofmoscheen.

Der Islamkundelehrer, Mustafa Tütüneken, ist im Vorstand des DITIB Regionalverbands Essen und in der Moscheegemeinde aktiv. Er findet, dass die Moscheen nicht überwacht werden sollten, wenn es keine konkrete Gefahr oder Beschwerde gibt: „Diese Stätte sind letztendlich Ruheorte. Man braucht dort eine gewisse Ruhe zum Abschalten für die Konzentration im Gebet.“

Tütüneken hat in Ankara Islamische Theologie studiert und in Bonn Religions- und Islamwissenschaften. Beobachtungen auf alle Moscheen sei eine Pauschalisierung und das hindere gut integrierte Moscheen daran, mit Kirchen, Schulen oder Behörden zu kooperieren, sagt er. Außerdem könne die Forderung Kauders zu Misstrauen führen und alle Moscheen unter Generalverdacht stellen. „Die Ruhe wird zerstört. Aber auch tatsächlich gefährliche Prediger können vorsichtiger werden und sich dadurch besser verstecken“, sagt er.

Kauders Forderung hingegen ist nicht neu. Nach Angaben des Bundesamtes für Verfassungsschutz werden in Deutschland rund 90 Moscheen überwacht. Um unter geheimdienstlicher Beobachtung zu stehen, muss ein Iman keine Radikalisierung oder Terror predigen. Auslöser für eine Überwachung kann zum Beispiel sein, wenn Gemeindemitglieder nach Syrien ausreisen oder sich im Internet auffällig Hassprediger anhören.

Deswegen fordert Kauder, dass Moscheen Verantwortung übernehmen müssen, um Terror und Extremismus entgegenzuwirken: „So wie wir als Deutsche eine Verantwortung dafür tragen, dass es nie wieder zu Faschismus kommt, so wie wir neonazistischen Tendenzen entgegentreten müssen, so sind die Muslime in der Pflicht, Radikalisierungen und Terror entschieden entgegenzutreten.“

Gegenwind gibt es von der rechtsextremen und verfassungsfeindlichen Bürgerbewegung pro NRW. Auf Nachfrage hin, schreibt Thorsten Crämer, Landesgeschäftsführer, dass vor allem die Regierungsparteien Verantwortung tragen: „Ohne die von denselben betriebene, beförderte oder auch nur fahrlässig zugelassene Masseneinwanderung aus Ländern des islamischen Kulturkreises gäbe es in Deutschland weder das Problem des Islams und seiner stetig dreister werdenden Forderungen an die deutsche Gesellschaft, noch die Möglichkeit, hier „staatsgefährdend“ oder gar terroristisch tätig zu werden.“.

Crämer glaubt, dass eine „dauernde Sicherheit“ nur dadurch erreicht werden könne, wenn es zu „einer grundlegenden Korrektur der verhängnisvollen Einwanderungspolitik kommt.“

Kauders Forderung bietet Stoff für rechtsextreme und „besorgte Bürger“. Dabei können viele Moscheen ein Paradebeispiel für gelungene Integration sein. Einige Moscheen bieten neben Freitags-Predigten auch Moscheeführungen an oder beinhalten Bibliotheken. Neben Nähkursen für Frauen, gemeinsame Ramadan-Feste oder rituelle Gebete, kooperieren Moscheen oft mit Kirchen oder Behörden.

Durch die Religionsfreiheit, die durch das Grundgesetz gesichert ist, gehören Moscheen zur religiösen Vielfalt und sind für viele Muslime ein wichtiger Ruheort.

Dieser Artikel ist zuerst auf Buerpott erschienen.

Kauders Angst vor der Moschee

IMG_4964

Unionsfraktionschef Volker Kauder fordert die staatliche Überwachung von Moscheen. Laut ihm gebe es in einigen Moscheen Predigten gegen das Staatverständnis. Der Staat sei hier gefordert, denn er solle kontrollieren.

Wenn es nach ihm ginge, dann sollten in jeder Moschee Überwachungskameras herzlichst die Muslime willkommen heißen. Eine Moschee – einst ein religiöser Raum für Muslime – solle doch lieber zu einem Spielraum des Verfassungsschutzes werden. Dabei kontrolliert der Staat schon Moscheen. Für Kauder aber noch nicht genug. Er will mehr und fordert eine Generalüberwachung. Der CDU-Politiker hätte auch sagen können, dass die Muslime sich nicht so anstellen sollen: Den Generalverdacht gibt es nicht erst seit gestern. Das bisschen mehr schadet nun wirklich keinem.

Wer sich also freitags in der Moschee die Predigt anhört, kann sich auf die poetischen Zeilen Kauders freuen: „Bei uns gelten die Werte des Grundgesetzes“. Demnächst könnte er auch fordern, dass Mitarbeiter des Verfassungsschutzes Führungen durch die Moschee anbieten. Selbstverständlich mit dem Grundgesetz in der Hand. Das sollte doch das Zusammenleben fördern.

Aber auf ihrer Sprache dürfen Prediger sprechen – Eine Gnade Kauders. Wenn dann ein Prediger freundlich ‚Hallo’ sagt, schaut er komisch aus der Wäsche. Ein deutsch sprechender Prediger existiert für ihn nicht. Aber das kann ihm keiner übel nehmen: Er war wohl selbst nie in einer Moschee – das erklärt seine große Angst. Und diese sollte man ernst nehmen.

Europa schafft sich ab

Europa ist wie ein kleines Kind, das sein Kinderzimmer nicht teilen will. Denn seine eigene Sicherheit der Grenzen, ist ihm wichtiger, als die Sicherheit der Menschen. Europa muss teilen können. Damit im Mittelmeer keine Menschen ertrinken.black-and-white-hills-fence-border

Vor wenigen Tagen schrieb ich auf Buerpott, dass die Escher-Lippe-Halle in Gelsenkirchen wieder in den normalen Betrieb genommen wird – weil keine Flüchtlinge dort unterkommen. Glück für die Veranstalter der Halle: Jetzt können sie wieder feiern und Musiker einladen. Pech für die Flüchtlinge – sie schaffen es nicht mal bis nach Gelsenkirchen.

In der Halle waren mal 300 Flüchtlinge untergebracht. Keine bequeme Art zu leben. Aber immerhin: Sie lebten. Seit einigen Wochen schläft kein Flüchtling unter dem Dach der Emscher-Lippe-Halle. Die Grenzen der Balkanroute sind dicht. Somit kommen weniger Flüchtlinge in Deutschland an und die Zahl der Abschiebungen steigt. Innenminister de Maizière warnte dennoch vor einer „Entspannung.“

Richtig. Entspannung. Ich frage mich, wie entspannt er ist, wenn er in seinem gemütlichen Sofa sitzt und die Nachrichten liest: „Erneute Tragödie im Mittelmeer
– Hunderte Flüchtlinge ertrunken“? Wahrscheinlich trinkt er seinen teuren Kaffee, legt die Zeitung weg und entspannt. Immerhin sind die Grenzen dicht und er kann sich wieder um die wichtigen Dinge seiner Arbeit kümmern: Winken und reden.

Europa verliert seine Werte

Europa hat seine Grenzen dichtgemacht. Und somit seine Werte über Bord geschmissen. Mit an Bord waren Flüchtlinge. Nun sind sie unterm Meer. In dieser Woche sind mehrere hundert Flüchtlinge im Mittelmeer gestorben. Im Wasser, fernab von ihrem eigentlichen Ziel: Europa. Dieses Stück Land – mit Werten, auf die es doch so stolz war: Die Würde des Menschen, Recht auf Leben, Demokratie und Sicherheit. Heute bleibt nur wenig von den Werten übrig. Ihr Recht auf Leben und Sicherheit verlieren die Menschen im Mittelmeer. Europa bleibt auf dem Land – Scham und Mitgefühl fehlen.

Ohne Flüchtlinge entspannt sich die Lage in den Gemeinden

Ganz im Gegenteil: Das kleine Kind Europa freut sich. In vielen Gemeinden entspannt sich die Lage: Die Deutschen können endlich wieder ihre Sporthallen und Mehrzweckhallen nutzen. Schließlich gibt es nichts Wichtigeres als deutscher Sportunterricht. Auch nicht Menschenleben. Die Bahnhöfe sind wieder frei und die Deutschen können sich über die verspätete Bahn aufregen – nicht über Flüchtlinge, die endlich an ihrem Ziel angekommen sind. Die alten Klamotten können wieder in die Mülltonne geworfen werden. Auch die alten High-Heels, obwohl es immer noch verwunderlich scheinen mag, wieso kein Flüchtling diese gebraucht hat.

Polizei schützt die heiligen Grenzen

Der Rückgang der Flüchtlinge bedeutet auch, dass die Bundespolizei sich endlich nicht mehr um die Registrierung neuer Asylbewerber kümmern muss. Polizisten in ganz Europa erhalten somit eine neue Aufgabe: Die Grenzen kontrollieren und gegen Schleuser vorgehen. Die Grenze dürfen nur noch legal Menschen mit einem gültigen Visum überqueren. Da können die Polizisten sich auch richtig ausleben und mit Wasserwerfern gegen Menschen vorgehen – die einfach nur leben wollen.

Die Grenzen Europas sind geschlossen. Und damit auch die Menschlichkeit. Die Willkommenskultur, auf die wir eins stolz waren, ist verschwunden. Menschen in Not, Menschen auf der Flucht und Menschen mit Ängsten werden nicht hereingelassen, weil die Sicherheit Europas scheinbar gefährdet ist. Europa baut sich eine paranoide Angst auf – vor Terrorismus, Überfremdung und vor dem Islam. Diese Angst lässt die AFD Wähler aus ihrem arbeitslosen Alltag in das völlige Chaos leiten. Flüchtlingsheime anzubrennen und Flüchtlinge zu verprügeln braucht natürlich auch seine Planung. Endlich können auch die Freizeit-Nazis wieder auf ihre gemütlichen Sofas, ihre Sendungen auf RTL2 schauen. Denn es gibt nun wenige Flüchtlingsheime, die angebrannt werden müssen. Welch’ Erleichterung.

Hauptsache es stirbt kein Europäer

Krieg, Armut, Verfolgung und Naturkatastrophen sind anscheinend für Europa keine Gründe für eine Flucht. Oder Hoffnung auf Sicherheit. Europa stutzt arrogant seine Nase nach oben, schaut in die Luft und übersieht all die Menschen, die im Mittelmeer versinken müssen. Hauptsache es geht einem selber gut. Hauptsache Europa kann sich entspannen. Hauptsache die Sterbenden sind keine Europäer.

„Wir schaffen das“, sagt Europa und geht gehen Schleuser vor und schottet sich lieber ab. Wie ein kleines Kind, das niemanden in sein Kinderzimmer lassen will. Die eigenen Spielzeuge teilt es nicht gerne. Und es weint, wenn ein Fremder zu nahe kommt. Europa macht stattdessen Politik: Redet nach einer Katastrophe über mögliche Maßnahmen, lächelt und winkt in die Kamera. Die nächste Terminsitzung findet wieder statt, wenn hunderte Menschen im Mittelmeer ertrinken. Europa kümmert sich lieber darum, die eigenen Grenzen zu sichern. Denn es gibt nichts Wichtigeres als einen Zaun um die eigene Arroganz und Intoleranz zu bauen.

Europa sieht Flüchtlinge als Menschen zweiter Klasse

Europa ist zurück in die Vergangenheit gereist. In Zeiten, in denen es noch Menschen zweiter Klasse gab. In Zeiten der Sklaverei und Ausbeutung. Europa sieht sich als etwas Besseres. Denkt, dass es zu den „Auserwählten“ gehört, die einen Zaun um seine heiligen Städte bauen müssen. Das Stück Erde, ein bisschen Dreck und Grünzeug, ist wichtiger geworden als Menschenleben. Europa versucht seine Festung aus Intoleranz aufrechtzuerhalten.

Europa schafft sich ab. Und setzt seine Werte aufs Spiel. Mit Menschenleben pokert es, als seien es wertlose Seelen – die es für ein paar Cent verkauft. Europa ist wie ein kleines arrogantes Kind, das jämmerlich weint, weil es nicht teilen möchte. Es heult und heult, weil es im Überfluss lebt und vergiss dabei seine Werte: Das Recht auf Leben und Sicherheit.

Dieser Artikel ist zuerst auf Buerpott erschienen. Buerpott ist ein online Magazin des Studienganges Journalismus und PR in Gelsenkirchen.

Das Dilemma einer Migrantin im Journalismus

Es gibt wenige Migranten im Journalismus. Ich gehöre zu dieser Minderheit.

pexels-photol.jpg

„Schreib über uns, denn keiner versteht uns,“ sagten meine Verwandten und Freunde, als ich etwas jünger war und erzählte, dass ich Journalistin werden will. Damals, mit sechszehn Jahren, wollte ich unbedingt über Migranten und Muslime schreiben. Ich fand, dass die Berichterstattung einfach zu negativ war. Das wollte ich ändern. Ich strebte danach, die multikulturelle Seite dieses Landes zu zeigen und die damit verbundenen Chancen und Schwierigkeiten. So handelte mein erster Bericht für die Schülerzeitung über türkische Pop-Musik und in meinem ersten Radiobeitrag erzählte ich über den Alltag einer Muslima. Ich interviewte Betroffene vom Rassismus, schrieb über das Kopftuch in der Schülerzeitung und eröffnete meinen Blog. Das war 2010.

Heute studiere ich Journalismus und finde langsam meinen Weg hinein. Ich betrachte einige Dinge viel kritischer, sowohl den Journalismus selbst, als auch die Medienverdrossenheit einiger Migranten und Muslime. Ich werde oft gefragt, wieso ich als Muslima in den Journalismus will, da die Medien scheinbar schlecht über den Islam berichten. Oder ob ich im Studium lerne, wie man am besten manipuliert. Während meiner Praktika und freien Mitarbeiten fällt mir auf: Entweder bin ich die einzige Migrantin oder ich gehöre zur Minderheit. So kommt es schnell, dass ich mal eben über das Kopftuch schreibe. Schließlich trage ich selbst eins. In der deutschen Berichterstattung kommen die Thematiken zu kurz: Oft wird entweder zu wenig recherchiert oder die Betroffenen kommen nicht zu Wort. Da hilft es eben, wenn man angehende Journalistin mit Migrationshintergrund ist. Doch gerade das Themenumfeld eines Journalisten ist wichtig für die Wahrnehmung: Ich bin die mit dem Kopftuch, die über den Islam schreibt. Kritik erwarten die wenigsten von mir. Freiheit schon gar nicht. Dabei spielt nicht nur das schlechte Bild des Islams eine Rolle, sondern vielmehr meine Themenauswahl. Mir fällt auf, dass die wenigsten von mir erwarten, dass ich auch über andere Themen schreiben und berichten kann. Dass ich eben nicht nur die mit dem Kopftuch bin. Oder, dass ich auch andere Interessensfelder habe. Das Bild bleibt: Journalistin mit Kopftuch.

Um es nicht falsch zu verstehen: Ich schreibe gerne über Migranten und Muslime. Zum einen, weil ich mich in diesem Thema relativ gut auskenne und zum anderen, weil es immer noch Bedarf gibt. Allerdings möchte ich nicht mein Leben lang darüber schreiben müssen, wieso muslimische Frauen ein Kopftuch tragen oder wieso nicht alle Muslime gleich sind. Ich möchte, dass diese Themen zur „Normalität“ werden. Ich möchte als deutsche Journalistin wahrgenommen werden, die eben NICHT NUR über Migranten und Muslime schreibt. Und vor allem möchte ich nicht, dass diese Themen zu meinem Hauptgebiet gehören. Je stärker ich in den Beruf gehe, desto unwichtiger finde ich meinen kulturellen Hintergrund – auch wenn dieser immer eine Rolle spielen wird.

Ich wünsche mir deswegen einen Journalismus, der Themen nicht nur oberflächlich bearbeitet, sondern in die Tiefe geht und alle Sichtweisen und Denkweisen durchleuchtet. Das gilt nicht nur für Themen rund um Migranten und Muslime – sondern für die gesamte Themenlandschaft.

Auch Hochschulen sind vom Rassismus nicht befreit

Wenn der Professor sagt, dass Frauen nichts in Ingenieurberufen zu suchen haben – und schon gar nicht mit Kopftuch, ist das dann Rassismus oder Alltag?

Rassismus an Hochschulen offenlegen und zeigen – das ist Thema unter dem Hashtag #campusrassismus. Vor allem Studenten posten ihre Erlebnisse an Hochschulen, berichten über Rassismus und Diskrimierung durch Professoren und Kommilitonen. Zeigen, was ist. Zeigen, dass auch die Universitäten nicht davon ausgeschlossen sind. #Campusrassismus ist zu einer Plattform für Erlebnisse geworden, die sonst nur in vier Wänden bleiben.

Bildschirmfoto 2015-12-13 um 21.42.14

Rassismus ist ein Wort geworden, das wirklich jeder in seinen Mund nimmt. Nicht nur Betroffene – auch sogenannte Untertreiber: Rassismus gebe es in Deutschland doch gar nicht und wer so etwas behaupte, sei einfach nur fixiert darauf. Dabei sind es gerade diese Untertreiber, die solche Diskussionen erst hervorheben. Rassismus ist Alltag in Deutschland – was viele einfach nicht sehen wollen. Vielleicht, weil sie es nicht selber erleben oder auch weil sie selber Alltagsrassismus ausüben. Das fängt schon dabei an, wenn Babys nicht in Vorlesungen geduldet werden, wenn der Professor scheinbar den Namen nicht aussprechen kann oder wenn man als Paradebeispiel von Integration gesehen wird – obwohl man hier geboren ist.

Bildschirmfoto 2015-12-13 um 21.43.16

Ich gehöre zu den Glücklichen, die nicht mitmachen müssen. Und das, obwohl ich zu den wenigen Journalismus-Studenten gehören, die einen Migrationshintergrund haben. Dennoch, lest euch die Tweets durch. Denn sie zeigen, dass auch die Hochschule von Rassismus befallen ist. Dass Rassismus nichts mit Intelligenz zutun haben muss. Dass auch gebildete Menschen Probleme damit haben. #Campusrassismus ist leider der Alltag von einigen Studenten.

Mehr dazu auf bento.de und auf Twitter

Die stärksten Waffen: Liebe und Freundschaft

Ich glaube fest daran, dass der Hass einiger Menschen niemals so groß sein kann, wie die Liebe der Anderen. Mögen sie mit Bomben, mit Rache, mit Gewehren kommen – sie werden die Liebe der Menschen nicht zerstören können. Sie werden die Liebe zum Partner, zur Familie, zu den Freunden oder zu der Heimat niemals berühren können. Sie haben Waffen aus Stahl, wir haben Liebe. In Worten von Mahatma Gandhi: „Liebe ist die stärkste Macht der Welt, und doch ist sie die demütigste, die man sich vorstellen kann.“ Die letzte Woche verfolgte mich wie ein dunkler Strich. Ich las fast alle Nachrichten, die ich finden konnte. Dachte ständig an die unschuldigen Menschen, die durch den Terror sterben mussten. Ich fand kaum Worte.

Umso mehr berührten mich die Worte von Antoine Leiris – er verlor seine Frau und die Mutter seiner Kindes bei dem Anschlag in Paris: „Wir sind zwei, mein Sohn und ich, aber wir sind stärker als alle Armeen dieser Erde. Ich will euch jetzt keine Zeit mehr opfern, ich muss mich um Melvil kümmern, der gerade von seinem Mittagsschlaf aufwacht. Er ist gerade mal 17 Monate alt; er wird seinen Brei essen wie jeden Tag, dann werden wir gemeinsam spielen wie jeden Tag und sein ganzes Leben wird dieser kleine Junge euch beleidigen, indem er glücklich und frei ist. Denn nein, auch seinen Hass werdet ihr nicht bekommen.“ (Ganzer Brief)

Besser kann keiner die Liebe beschreiben.

Bildschirmfoto 2015-11-21 um 19.32.13

Hier der ganze Artikel und die Videos

Und auch die Freundschaft ist eine starke Waffe gegen den Hass. Dafür habe ich mit jungen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen gesprochen. Schaut euch die Videos der verschiedenen und doch gleichen Freunde auf bento an.

 

„Wir bauen eine Mauer und trennen Deutschland!“

„Ausländer raus“ sagt er und stört sich dabei gar nicht, dass ich ihn aufnehme. Wieso auch?! Für ihn bin ich scheinbar kein Ausländer. Yay. Er hat es begriffen.

Er ist einer von vielen Passanten an einem Dienstagmittag in der Gelsenkirchener Innenstand. Mein Team steht schon seit einigen Stunden auf der Straße und fragt Passanten, was sie von einer Mauer halten – ich filme das Ganze. Zumindest von unserer Mauer. Denn wir haben eine aufgebaut. Aus Kartons.

Zum Hintergrund:

Wie fast jedes Semester gab es letzte Woche die Projektwoche für alle Studenten des Studienganges Journalismus und Public Relations in Gelsenkirchen. Dabei sind alle Semester zusammen gekommen und haben in Kleingruppen eine Aufgabe erarbeitet. Dieses Jahr das Thema: „Das neue WIR – wer ist deutsch und was ist deutsch?“. Aufgabe: Film drehen. Unser Team entschied sich für eine Mauer. Eine Mauer, die Menschen trennt. Wer den deutschen Durchschnittswerten entspricht, darf auf die deutsche Seite. Wer nicht, ist „der Rest“ und muss auf die andere Seite.

Bei der Befragung wollten alle deutsch sein. Doch wir fanden keinen Thomas Müller. Auch keine Sabine Müller. Pech gehabt. Alle Befragten mussten zum „Rest.“

Seht euch unser Gewinnervideo an:

Und jetzt verrate ich euch ein kleines Geheimnis: Auch ich bin keine Sabine Müller. Stört mich das?  Nö – Ich will es gar nicht sein. Ich muss keinen deutschen Namen tragen, um deutsch zu sein. Ich bin es einfach. Dennoch kotzt mich die ewige Diskussion über deutsch oder nicht deutsch an. Was ist denn nun deutsch und was nicht?! Wer ist Bio-Deutsch, wer ist Deutscher mit Migrationshintergrund, wer ist deutscher Jude, Moslem und wer ist einfach nur Deutsch? Es wurden schon viele Filme zu dem Thema gedreht, Diskussionen geführt, Diskurse gestartet und Bücher verfasst. Aber hat all dies etwas bei mir verändert? Bin ich jetzt deutscher als gestern? Bin ich deutscher als mein Vater, weil ich einen deutschen Pass habe und er nicht?

Was ist Deutsch? – Kann mir endlich jemand diese Frage beantworten?

Ach wisst ihr was, ich will die utopische Antwort gar nicht hören. Wieso? Naja ganz einfach: Weil jeder Deutsch-sein anders definiert. Und das ist auch gut so! Für mich ist das Deutsch-sein ein Gefühl. Eine Mischung aus Heimat, Verbundenheit und Sicherheit. Deutschland ist schon lange bunt und vielfältig. In den Worten von Joachim Gauck: „Wir sollten nicht länger von „wir“ und „denen“sprechen. Es gibt ein neues deutsches „Wir“, das ist die Einheit der Verschiedenen.“

Verschieden. Das trifft es gut. In Deutschland leben unterschiedliche Menschen. Ist das ein Problem? Nope. 

Das Problem liegt eher bei dem selbsternannten Volk, den Internet-Rassisten und natürlich an den altbekannten Nazis. Sie zerstören die Einheit, weil sie Mauern in ihren Köpfen haben und Deutschland trennen wollen. In was eigentlich? Das Pack vs. Das Volk? Bio-Deutsch vs. Ausländer? Intolerant vs. Tolerant?

Ernsthaft Deutschland, was stimmt nicht mit dir?